Adipositas ist ein Thema, das uns in der Ernährungspraxis ständig begegnet – und doch wurde mir in diesem Seminar noch einmal deutlich, wie komplex und vielschichtig diese Erkrankung ist. Weltweit steigt die Prävalenz von Adipositas an, ebenso wie das Risiko für zahlreiche Folgeerkrankungen. Ernährung, insbesondere die Energiezufuhr und emotionales Essen, spielen dabei eine zentrale Rolle – sind aber längst nicht die einzigen Einflussfaktoren.

 

Ursachen verstehen statt vereinfachen

Besonders interessant fand ich die intensive Betrachtung der Ursachen von Adipositas. Es wurde schnell klar: Es geht um weit mehr als „falsches Essen“ oder mangelnde Bewegung. Adipositas entsteht durch ein komplexes Zusammenspiel biologischer, psychischer und sozialer Faktoren.

Neben genetischer Disposition und hormonellen Einflüssen wurden chronischer Stress und Schlafmangel als zentrale Auslöser thematisiert. Diese differenzierte Betrachtung hilft, Betroffene nicht zu stigmatisieren und eröffnet gleichzeitig neue Ansatzpunkte für eine Ernährungsberatung. Als Ernährungsberater bedeutet das auch, sich diesen Auslösern anzunehmen und gemeinsam mit Patient*innen Strategien zu entwickeln, die über Ernährungsempfehlungen hinausgehen.

 

Motivation als Schlüssel

Die Therapie von Adipositas und die damit verbundenen Erfolge sind eng an die Motivation der Patienten geknüpft. Besonders hilfreich war die Betonung, jede Person dort abzuholen, wo sie steht und Tools flexibel einzusetzen, um die Motivation beizubehalten. Besonders herausfordernd ist der Umgang mit Stagnationsphasen, da diese häufig zu Frustration führen, sowohl bei den Patienten als auch bei dem Fachpersonal. Umso wichtiger ist es, gemeinsam realistische Ziele zu setzen und bisherige Fortschritte immer wieder sichtbar zu machen.

 

Hunger, Sättigung und Essauslöser bewusst machen

Sehr bereichernd war für mich der Fokus auf Hunger- und Sättigungssignale. Über Hunger und satt sein zu sprechen, fällt vielen zunächst schwer, dabei bilden sie eine grundlegende Basis für jede Veränderung. Es lohnt sich sie zu Beginn der Therapie mit den Patienten zu identifizieren, reflektieren und trainieren.

 

Gewohnheiten verändern – mit Genuss statt Verzicht.

Ein Aspekt, der mir besonders im Kopf geblieben ist: Gewohnheiten sind oft der „Endgegner“ in der Adipositastherapie. Veränderungen funktionieren nur dann nachhaltig, wenn die neuen Gewohnheiten mindestens genauso viel Freude bringen wie die Alten. Genuss ist daher ein zentraler Bestandteil in einer erfolgreichen Ernährungstherapie. Ziel muss es sein, eine attraktivere neue Handlungsoption zu entwickeln, um das Verhalten möglichst einfach und nachhaltig zu verändern.

 

Psychologische Aspekte

Immer wieder wurde deutlich, wie stark psychologische Faktoren in die Entstehung und Behandlung von Adipositas hineinspielen. Die Diagnostik des Essverhaltens und die Unterscheidung verschiedener Subtypen können helfen, besser zu verstehen, was vorliegt und welche Therapieansätze sinnvoll und erfolgsversprechend sind.

Gerade die spannenden und großen Bereiche des „Emotionalen Essens“ stand hier besonders im Vordergrund. Was sind konkrete Strategien, Maßnahmen oder typische Triggerfaktoren, die mit Patient*innen konkret erarbeiten werden können.

Immer wieder hilfreich und spannend sind natürlich Fallbeispiele, die gemeinsam mit der Gruppe bearbeitet und besprochen werden. Gerade in diesem Bereich, wo viele unterschiedliche Ansätze möglich sind und ausprobiert werden sollten, um die richtige Strategie für den jeweiligen Patienten zu finden.

Bereich Prävention

Neben der Therapie von Adipositas wurde auch die Prävention als potenzielles Arbeitsfeld von Ernährungsfachkräften vorgestellt. Sie kann eine auflockernde Ergänzung zur Ernährungstherapie darstellen, denn sie bietet die Möglichkeit gesundheitsförderndes Verhalten frühzeitig zu stabilisieren.

 

Fazit: Ein Seminar mit Tiefgang und Praxisbezug

Insgesamt hat mir das Seminar geholfen, noch tiefer in das Thema Adipositas einzusteigen. Es vermittelte wichtige Grundlagen, um Patienten besser zu verstehen, Therapieansätze individuell anzupassen und Veränderungen in kleinen Schritten zu begleiten. Ein Seminar, das Mut macht, Adipositas ganzheitlich, empathisch und praxisnah anzugehen.

 

Geschrieben von Talea

 

Wir bedanken uns herzlich bei Talea für diesen tollen Blogbeitrag.

Wenn wir Ihr Interesse für das Thema konservative Behandlungswege von Übergewicht und Adipositas wecken konnten, finden Sie hier weitere Informationen zu diesem Seminar in 2026.

 

 

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