Diabetes mellitus gehört zu den häufigsten chronischen Erkrankungen und stellt Ernährungsfachkräfte im Beratungsalltag regelmäßig vor neuen Herausforderungen. Umso wichtiger ist es, wissenschaftlich fundiertes Wissen mit praxisnahen Handlungsempfehlungen zu verbinden. Genau hier setzte das Seminar „Update Diabetes mellitus“ mit Referentin Jara Grube an. An zwei Seminartagen vermittelte sie aktuelles Fachwissen zu Diabetes mellitus Typ 1 und Typ 2 und gab den Teilnehmenden zahlreiche Einblicke in ihren langjährigen Beratungsalltag. Besonders wertvoll war dabei die Kombination aus theoretischen Grundlagen, Fallbeispielen und konkreten Tipps für die praktische Arbeit mit Patient*innen.

Diabetes ist nicht gleich Diabetes

Der erste Seminartag startete mit den Grundlagen der Blutzuckerregulation und der Pathogenese der verschiedenen Diabetesformen. Neben Typ-1- und Typ-2-Diabetes wurden auch Gestationsdiabetes sowie pankreopriver Diabetes besprochen. Schnell wurde deutlich: Diabetes ist nicht gleich Diabetes und jede Form bringt individuelle Herausforderungen mit sich.

Prädiabetes = ein relevantes gesundheitliches Risiko

Zunächst wurde ein besonderes Augenmerk auf den Prädiabetes gelegt und der Frage, warum bereits in diesem Stadium gehandelt werden sollte. Die Referentin betonte, dass Prädiabetes zwar noch keine Erkrankung sei, aber bereits ein relevantes Risikoprofil für zahlreiche Folgeerkrankungen darstellt. Gleichzeitig wies sie darauf hin: „Betroffene unterschätzen häufig ihr persönliches Erkrankungsrisiko und zeigen deshalb oftmals nur eine geringe Bereitschaft zur Lebensstiländerung“. Hier sind unsere Berufsgruppen gefragt, Aufklärungsarbeit zu leisten!

Bei Typ-2 Diabetes ist dauerhafte Ernährungsumstellung gefragt

In der Ernährungstherapie vom Typ-2-Diabetes geht es weniger um starre Ernährungsregeln, sondern vielmehr um alltagstaugliche und individuell umsetzbare Strategien. Die Referentin betonte mehrfach, wie wichtig es sei, gemeinsam mit den Patient*innen realistische Veränderungen zu entwickeln, die dauerhaft in den Alltag integriert werden können und dadurch die Compliance fördern.

Besonders hilfreich waren die vielen Tipps zur Gewichtsreduktion, Mahlzeitenstruktur und Bewegungsförderung. Jara Grube verdeutlichte beispielsweise, welche positiven Einfluss selbst kurze Spaziergänge nach dem Essen auf den Blutzucker haben. Ebenso empfahl sie: „Besprechen Sie Ausnahmen bewusst mit den Patient*innen. Planen Sie diese bewusst ein, statt Lebensmittel vollständig zu verbieten.“ Dadurch liessen sich Lebensstiländerungen langfristig besser umsetzen.

Bedeutung von Hafertagen, Formulardiäten und Co

Auch Hafertage, Formulardiäten und andere Ernährungsformen wurden kritisch eingeordnet und anhand praktischer Erfahrungen hinsichtlich ihrer Compliance diskutiert. Im Zusammenhang mit den Hafertagen betonte Frau Grube, dass bereits ein Hafertag pro Monat einen positiven Effekt haben könne und damit besser sei als gar keiner. Gleichzeitig sensibilisierte sie dafür, dass Hafertage bei Insulintherapie und/oder Medikamenteneinnahme stets mit dem Behandlungsteam abgestimmt werden müssen!

Medikamente bei Typ-2-Diabetes

Außerdem gab Frau Grube einen Überblick über die medikamentöse Therapie bei Typ-2 Diabetes, erläuterte deren Wirkmechanismen und erklärte den schrittweisen Aufbau der medikamentösen Behandlung. Abgerundet wurde der erste Seminartag mit der gemeinsamen Bearbeitung von Fallbeispielen aus dem Praxisalltag der Referentin. Gelerntes vom Tag konnte hier sofort angewandt werden und aufgekommene Verständnisfragen konnten geklärt werden. Auch hier konnte die Referentin noch einmal mit konkreten Tipps für die praktische Arbeit mit den Patient*innen unterstützen. Dabei wurde uns vor allem das Arbeiten mit einem leicht angepassten Teller-Modell (Protein-Anteil erhöht) nahegelegt. Die Visualisierung erleichtere Patient*innen die Zusammenstellung ausgewogener Mahlzeiten und unterstütze dabei, Kohlenhydrate nicht isoliert zu verzehren, wodurch Blutzuckerspitzen reduziert werden können. Ergänzend empfahl sie, Portionsgrößen mithilfe des Handmaßes anschaulich zu erklären.

Ernährungstherapie und Medikamente bei Typ-1-Diabetes

Am zweiten Seminartag stand Diabetes mellitus Typ 1 im Mittelpunkt. Themen wie Insulintherapie, Kohlenhydratberechnung und der Spritz-Ess-Abstand wurden anhand praktischer Beispiele anschaulich erklärt.
Besonders eindrucksvoll war die praxisnahe Vermittlung der KE-Berechnung und der Insulindosierung. Anhand konkreter Rechenbeispiele und typischer Alltagssituationen wurde deutlich, wie komplex das Glukosemanagement für Menschen mit Typ-1-Diabetes sein kann. Darüber hinaus erläuterte die Referentin den Einfluss verschiedener Lebensmittel auf den Blutzuckerverlauf. Neben schnellen und langsam wirksamen Kohlenhydraten wurden auch die Auswirkungen von Fett, Eiweiß und Alkohol ausführlich besprochen. So verdeutlichte sie unter anderem die verzögerten Blutzuckeranstiege nach besonders fettreichen Mahlzeiten sowie die verminderte Glukosebereitstellung nach Alkoholkonsum und das damit verbundene Risiko nächtlicher Hypoglykämien. In diesem Zusammenhang wurde erneut die Bedeutung einer umfassenden Patientenschulung hervorgehoben. Menschen mit Diabetes sollten jederzeit schnell verfügbare Kohlenhydrate mit sich führen, um im Falle einer Hypoglykämie rasch handeln zu können.

Moderne Diabetes-Technologien richtig angewendet

Ein weiteres Highlight war der Einblick in moderne Diabetes-Technologien wie CGM-Systeme, Insulinpumpen und AID-Systeme. Die Vorteile diese Technologien im Alltag: mehr Sicherheit durch Warnfunktionen, bessere Einblicke in Glukoseverläufe und eine größere Flexibilität im Essalltag. Die Technologien können die Glukosewerte in Echtzeit auch mit Therapeuten und Familienangehörigen teilen. Bei kritischen Glukosewerten können diese Personen automatisch informiert werden, um so im Notfall schnell zu handeln. Es wurden auch Akutsituationen wie Hypoglykämien und Ketoazidosen besprochen. Hier lag der Fokus besonders auf dem frühzeitigen Erkennen von Warnzeichen sowie dem sicheren Umgang mit Notfallsituationen. Die umfassende Aufklärung und Sensibilisierung sowohl der Patient*innen als auch ihrer Angehörigen in der Beratung sind essenziell. Gleichzeitig wurden auch Grenzen und mögliche Herausforderungen der aktuellen Technologien kritisch diskutiert.

Mein Fazit

Das Seminar „Update Diabetes mellitus“ überzeugte durch einen umfassenden Überblick über aktuelle Entwicklungen in der Diabetesberatung und verknüpfte theoretisches Wissen mit zahlreichen praxisnahen Beispielen. Besonders bereichernd waren die zahlreichen Erfahrungen aus dem Berufsalltag der Referentin sowie der interaktive Austausch innerhalb der Gruppe. Insgesamt bot das Seminar sowohl Berufsanfänger*innen als auch erfahrenen Ernährungsfachkräften einen hohen fachlichen Mehrwert und viele Anregungen für die individuelle Begleitung von Menschen mit Diabetes mellitus.

Wir danken Carina Oldenburg für ihren ausführlichen Seminarbericht!

 

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